Status Quo der Sauenhaltung nicht akzeptabel

Zur aktuellen Diskussion um die Haltung von Sauen in so genannten Kastenständen erklärt Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen:

 

Schweine sind hochintelligente Tiere mit differenzierten und ausgeprägten Verhaltensweisen. 70 Prozent der Zeit wird mit der Futtersuche verbracht. Tragende Sauen zeigen, wenn möglich, ein komplexes Nestbau- und später Brutpflegeverhalten. Da ein Kastenstand die Bewegungsfreiheit extrem beschneidet und keine Ausübung von artgerechten Verhaltensweisen möglich sind, zeigen die so gehaltenen Sauen deutliche Anzeichen von Leiden und Schmerzen. Die Fixierung von Sauen kann daher nie den Ansprüchen der Tiere und den Ansprüchen an eine artgerechte Tierhaltung genügen.
Daher setzen wir uns für eine Tierhaltung ein, in der die Haltungssysteme so gestaltet sind, dass Kastenstände bis auf wenige Ausnahmen (medizinische Behandlung) ausgedient haben. Nach geltendem Recht sind Jungsauen und Sauen im Zeitraum von über vier Wochen nach dem Decken bis eine Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin in der Gruppe zu halten. Folglich verbleiben die Tiere nach der Besamung für maximal 28 Tage und wiederum vor dem Abferkeln bis zum Absetzen der Ferkel im Kastenstand. Diesen Status Quo können wir Grüne nicht akzeptieren.
Es muss eine praktikable, jedoch zielorientierte Strategie für den Ausstieg aus diesem veralteten und nicht zeitgemäßen Haltungssystem entwickelt werden. Gemeinsam mit den Sauenhaltern und Experten aus der Wissenschaft und dem Stallbau müssen Lösungen her. Aus dem Landwirtschaftsministerium dröhnt einmal mehr nur bauernverbandstreue Stille. Die Landwirtschaft ist in ein komplexes System eingebunden, das im Wechselspiel mit Wirtschaft, Verbrauchern und Politik zu sehen ist. Alle Beteiligten müssen ihren Teil beitragen, um eine Tierhaltung der Zukunft zu entwickeln, die auch eine angemessene Wertschöpfung für die Erzeuger generiert. Das ist in der Exportstrategie von Minister Schmidt nicht vorgesehen. Billigproduktion zu Weltmarktpreisen und Tierschutz gehen nicht zusammen. Auch aus dem SPD-geführten Umweltministerium kommen zwar launige Ankündigungen und Forderungen, die bestehenden Handlungsspielräume werden jedoch nicht genutzt. Ohne uns Grüne wird es keine Landwirtschaft geben, die wertschätzend mit den Tieren und den produzierten Lebensmitteln und schonend mit der Umwelt umgeht.