Friedrich Ostendorff MdB

Der grüne Bauer im Bundestag  

Kleine Anfrage: Haltung von Wildtieren im Zirkus (Drucksache 18/11836)

Link zur kleinen Anfrage

Vor rund einem Jahr – am 18. März 2016 – hat der Bundesrat zum dritten Mal
eine Entschließung zum Verbot der Haltung bestimmter wildlebender Tierarten
im Zirkus gefasst (Bundestagsdrucksache 78/16). Das Verbot soll insbesondere
Affen (nicht-menschliche Primaten), Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner
und Flusspferde betreffen. Bis heute kam die Bundesregierung dieser Aufforderung
nicht nach. Selbst eine Stellungnahme der Bundesregierung zu der Entschließung
steht noch immer aus.
Dabei wurde bereits 2012 in der Begründung zur dritten Änderung des Tierschutzgesetzes
(Bundestagsdrucksache 300/12) von der damaligen Bundesregierung
ausgeführt: „Es zeichnet sich jedoch bereits ab, dass für einige der genannten
Tierarten ein Verbot oder eine Beschränkung des Zurschaustellens an wechselnden
Orten aus Gründen des Tierschutzes erforderlich sein könnte. Fortgesetzte
Verstöße gegen die Haltungsvorschriften für manche Tierarten sowie die Häufigkeit
von Verhaltensauffälligkeiten und gesundheitlichen Beeinträchtigungen der
betreffenden Tiere in vielen Zirkusbetrieben weisen darauf hin, dass die Bestimmungen
für deren tierschutzgerechte Haltung unter den Bedingungen des Zurschaustellens
an wechselnden Orten nicht realisierbar sind.“
Hier wurde richtig erkannt, dass eine tier- und artgerechte Haltung unter den Bedingungen
eines mobilen Unternehmens grundsätzlich problematisch und bei vielen
Tierarten unmöglich ist. Denn die meisten Tiere, die in Zirkussen, Varietés,
Tierschauen oder ähnlichen mobilen Einrichtungen gehalten werden, verbringen
einen großen Teil ihres Lebens in engen Transportwagen oder wenig strukturierten
Gehegen. Diese bieten den Tieren meist nur stark eingeschränkte Beschäftigungs-,
Bewegungs- und Rückzugmöglichkeiten. Der Großteil der Bürgerinnen
und Bürger in Deutschlandlehnt die Haltung von Wildtieren im Zirkus ab. Über
Parteigrenzen hinweg haben sich die Bundesländer im Bundesrat erneut gemeinsam
für ein Verbot bestimmter Wildtiere im Zirkus ausgesprochen. Und auch
Fachorganisationen wie die Bundestierärztekammer fordern dies seit Jahren.
Auch andere EU-Mitgliedsstaaten wie Belgien, Österreich oder Griechenland haben
längst reagiert und die Wildtierhaltung in Zirkussen verboten.
Die Bundesregierung ignoriert das und bleibt untätig. Dabei ist sie laut Tierschutzgesetz
dazu ermächtigt, durch Verordnung das Zurschaustellen von Tieren
wildlebender Arten an wechselnden Orten zu beschränken oder zu verbieten.