PRESSEMITTEILUNG: Zukunftskommission Landwirtschaft: Neuausrichtung der Agrarpolitik jetzt – Zukunftsperspektiven für eine bäuerliche Landwirtschaft zusammen mit der Gesellschaft

Zum heutigen Auftakt der Zukunftskommission Landwirtschaft im Kanzleramt erklärt Friedrich Ostendorff MdB, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag:

Die Chancen für einen gesellschaftlichen Konsens müssen jetzt dringend genutzt werden. Wir brauchen ein gesellschaftlich getragenes Leitbild und echte Zukunftsperspektiven für eine bäuerliche Landwirtschaft. Die Betriebe brauchen Planungssicherheit, wohin die Reise geht und ein auskömmliches Wirtschaften. Das erfordert aber eine radikale Neuausrichtung der Agrarpolitik und geht nur zusammen mit der Gesellschaft. Ein „Weiter-so-wie-bisher“ kann es nicht geben.

Die Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft steht, sind zahlreich: die Anpassung und Begrenzung des Klimawandels, der Verlust von Biodiversität und unserer natürlichen Lebensgrundlage, die Verringerung von Emissionen und Nährstoffeinträgen, der dringend notwendige Umbau der Tierhaltung und der Verlust unserer vielfältigen, bäuerlichen Agrarstruktur durch außerlandwirtschaftliche Investoren und Kapitalholdings.

Wir brauchen deshalb einen Paradigmenwechselweg weg von alleiniger Exportausrichtung auf den Weltmarkt zu Dumpingpreisen hin zu einer radikalen Regionalisierung und Dezentralisierung von Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung für einen lebendigen ländlichen Raum, statt ausgeräumter Agrarlandschaften. Wir brauchen auch neue Betriebe, direkte Kooperations- und Wertschöpfungsmodelle, wie z.B. durch die solidarische Landwirtschaft und andere Innovationsimpulse.

Das Ambitionsniveau ist also hoch. Wenn die Kommission tatsächlich tragfähige Ergebnisse erzielen soll, braucht es eine echte Bereitschaft überkommene Positionen auch wirklich zu überdenken und sich aus der Blase zu lösen. Dafür ist es spät, aber noch nicht zu spät. Julia Klöckner muss dazu aber endlich aufhören zu spalten und anfangen ernsthaft für einen wirklichen gesellschaftlichen Konsens und die dringenden Verbesserungen zu arbeiten. Eine Neuausrichtung der Agrarpolitik muss den Herausforderungen und den gesellschaftlichen Bedürfnissen gerecht werden und die Gemeinwohlleistungen der Landwirtschaft für die Gesellschaft in den Mittelpunkt stellen.

Der Stillstand in der Agrarpolitik, der vor allem die Bäuerinnen und Bauern trifft, sie mit zahlreichen ungelösten Zukunftsfragen allein im Regen stehen lässt und immer weiter von der Gesellschaft entfremdet, muss jetzt endlich beendet werden. Wer ewig auf der Bremse steht und dann versucht Vollgas zu geben, der sollte vorher die Bremse lösen. Diese Lektion sollte Julia Klöckner beherzigen.