PRESSEMITTEILUNG: Wiederinbetriebnahme von Tönnies: Das System braucht einen radikalen Umbau

Zur Wiederinbetriebnahme von Tönnies erklärt Friedrich Ostendorff MdB, Sprecher für Agrarpolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen:

„Dass wichtige Entscheidungen, wie die Wiederinbetriebnahme von Europas größtem Schlachthaus vom Bürgermeister einer Kleinstadt getroffen werden, ist fahrlässig. Hier hätten zwingend die Fachämter auf Landesebene mit einbezogen werden müssen.

Zudem ist höchst fraglich, weshalb die Absprachen zum Konzept der Wiederinbetriebnahme hinter verschlossenen Türen stattgefunden haben. Die Öffentlichkeit hat das Recht zu erfahren, was sich zum Schutz der MitarbeiterInnen im Werk verändert hat. Dass Tönnies jetzt einfach wieder zur Tagesordnung übergeht, ist unbedingt zu vermeiden. Das Unternehmen muss sein Hygienekonzept umgehend offen legen und die Kontrollbehörden müssen ihre Ergebnisse regelmäßig kommunizieren.

Wie gewährleistet Tönnies die strikte Einhaltung des Sicherheitsabstandes von 1,5 Metern, wenn in Rheda Wiedenbrück bald wieder 25.000 Schweine am Tag geschlachtet werden? Ohne gedrosselte Laufbandgeschwindigkeiten und damit einer dauerhaften Reduktion der Produktion ist das unmöglich. Die körperliche Belastung der Menschen bei der Schlachtung am Fließband muss so gering wie möglich sein, Überstunden darf es jetzt nicht geben. Die Menschen müssen die Möglichkeit haben, sich von der schweren Arbeit zu regenerieren. 

Ministerin Ursula Heinen-Esser spricht von einem Weckruf und stellt das gesamte System in Frage. Dem schließen wir uns an, das System braucht einen radikalen Umbau. Akkordschlachtungen von 30.000 Schweinen pro Tag an einem Standort, teils für den chinesischen Markt, lehnen wir ab. Die Branche muss dezentralisiert werden. Die Politik muss jetzt den Weg für regionale, handwerkliche Schlachtungen in kleinen und mittelständischen Betrieben frei machen. Wir brauchen Fördermittel für alternative Schlachtkonzepte, wie die Weideschlachtung und die mobile Schlachtung.“