Ferkelkastration: Schulterzucken und Ratlosigkeit im Ministerium

Pressemitteilung zu der Reaktion des Ministeriums auf das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration

»Pressemitteilung

Friedrich Ostendorff MdB
Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen

19. WP – 20.04.2018

 

Ferkelkastration: Schulterzucken und Ratlosigkeit im Ministerium

 

Ab dem 1.1.2019 ist die betäubungslose Ferkelkastration verboten. Das Bundeslandwirtschaftsministerium formuliert passend, dass die „Durchführung des Eingriffs unter Narkose, die Immunokastration und die Jungebermast“  geeignet seien, die jetzige Praxis abzulösen. Doch noch immer fehlen konkrete Empfehlungen und eine adäquate Vorbereitung für die Betriebe. Dabei ist schon seit vielen Jahren klar, dass die tierschutzwidrige Methode, Ferkeln ohne Betäubung die Hoden zu entfernen, zu Recht verboten wird.

In der nächsten Woche findet die Agrarministerkonferenz statt, auch das Thema „Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration“ war aufgesetzt. Dass die Landwirtschaftsministerin aus Nordrhein-Westfalen, Christina Schulze Föcking, diesen Debattenpunkt nun zurückgezogen hat, ist unverständlich. Ganz dringend müssen die offenen Fragen geklärt und zwischen Bund und den Ländern klare Handlungsempfehlungen erarbeitet werden. Wann wird Isofluran für Schweine zugelassen? Welche Methoden dürfen von den Tierhaltern selbst angewendet werden? Der Gesetzgeber fordert eine Schmerzausschaltung. Für uns ist deshalb klar, dass die Schmerzlinderung durch den so genannten „vierten Weg“ nicht ausreichend sein kann.

Die Sauenhalterinnen und Sauenhalter sind verunsichert und brauchen verlässliche Zusagen aus der Politik.

In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl der Betriebe mit Sauenhaltungen um 70 Prozent eingebrochen. Nur noch 8.400 Betriebe mit Zuchtsauen gibt es. Der Strukturwandel, vor dem die Union fortwährend warnt, findet schon lange statt. Wie der Hasen vor der Schlange wartet das Ministerium ab, doch durch Nichtstun ist den Bäuerinnen und Bauern nicht geholfen.

Wir fordern rechtssichere und verlässliche Empfehlungen für die Landwirtschaft. Eine umfassende Strategie muss formulieren, wie die Tierhaltung von Schweinen, Kühen und Geflügel in 20 Jahren aussehen soll. Politik muss gestalten und darf sich nicht in abwartender Passivität verlieren.