Milch

Milchpolitik

Bäuerliche Milcherzeuger schützen – Milchmarkt gerecht gestalten – europäisches Krisenmanagement ausbauen

Die bäuerliche Milchviehhaltung ist wichtiger Teil der Landwirtschaft in Deutschland und prägt wie keine andere Bewirtschaftungsform unsere Kulturlandschaft. Zahlreiche Betriebe sind von ihr abhängig. Doch die bäuerliche Milchviehhaltung ist stark in ihrer Existenz bedroht. Von 2005 bis 2015 hat ein Drittel der Milchbetriebe aufgegeben.

Mit der Abschaffung der Milchquote am 31.03. 2015 ist der grundsätzliche Rahmen für eine Mengenregelung auf dem Milchmarkt entfallen. Bäuerliche Milcherzeuger sind seitdem weitgehend ohne Schutz den Preisschwankungen auf dem Weltmarkt ausgeliefert. Die Ausrichtung auf Export und Mengenwachstum statt auf Qualität und regionale Wertschöpfung und die Ausweitung der Milchanlieferung hat 2015/2016 zu einer massiven Preiskrise auf dem Milchmarkt geführt. Allein in diesen beiden Jahren haben nochmal ca. 10 Prozent der Milcherzeuger aufgeben.

Mit der bäuerlichen Struktur der Landwirtschaft sterben nicht nur wirtschaftliche Existenzen. Von den bäuerlichen Betrieben leben unsere Regionen, unsere ländliche Kultur und Versorgungsnetze im ländlichen Raum. Die strukturellen Folgen für die Landwirtschaft und die Umweltfolgen für die Gesellschaft sind gravierend. Eine immer stärkere Konzentration auf wenige Betriebe und wenige Regionen ist mit der Belastung von Grund- und Oberflächenwasser durch immer größerer Güllemengen und mit klimawirksamen Emissionen verbunden. Die damit oft verbundene Abschaffung der Weidehaltung der Kühe widerspricht einer artgerechten Haltung.

Der Milchmarkt ist von einem starken Ungleichgewicht gekennzeichnet, die Machtasymmetrie zwischen Erzeugern und der Molkereiindustrie ist enorm. Gegenüber Molkereien und Lebensmittelhandel haben die bäuerlichen Milcherzeuger keine Verhandlungsposition und müssen Preise nehmen, wie sie kommen. Preise werden rückwirkend durch die Molkereien festgesetzt. Es kann von Marktversagen gesprochen werden. Selbst Bundeskartellamtspräsident Mundt bestätigte 2016: „Der Milchmarkt ist kein Markt wie jeder andere“ und forderte „der Milchmarkt braucht eine wirksame Mengensteuerung“ (https://www.bundeskartellamt.de/SharedDocs/Publikation/DE/Interviews/2016/160725_Agrar_Europe.pdf?__blob=publicationFile&v=2).

 

Forderungen

  • Wir müssen bäuerlichen Milcherzeuger schützen und zukünftigen Marktkrisen vorbeugen. Einen Betriebsverlust, wie 2015/2016 können wir uns nicht noch mal leisten. Wir müssen ein proaktives Sicherheitsnetz und Instrumente zur Krisenintervention und Mengenreduzierung bei Marktkrisen entwickeln.
  • Wir brauchen ein Frühwarnsystem auf der Basis eines Milchpreisindexes. Auf europäischer Ebene muss deshalb die Milchmarktbeobachtungsstelle zu einem Instrument für die Marktanalyse und zur Krisenintervention ausgebaut werden und in eine Krisenmanagementprogramm eingebunden werden.
  • Wir müssen die Verhandlungsposition der Erzeuger auf dem Markt und in der Wertschöpfungskette stärken. Dafür muss die Vertragsgestaltung verbindlich zugunsten der Erzeuger verbessert werden und die rückwirkende Preisfestsetzung durch die Molkereien abgeschafft werden.
  • Wir brauchen kostendeckende Preise auf dem Markt und Entwicklungsmöglichkeiten für eine umweltorientierte, tiergerechte und flächengebundene Milchviehhaltung. Das geht nur mit einer größeren Ausrichtung auf faire Märkte, Qualität, regionale Erzeugung und Wertschöpfung.
  • Wir müssen insbesondere die artgerechte Weidehaltung und den Grünlanderhalt stärken, um Artenvielfalt und wichtige Kulturlandschaften zu erhalten und unser Klima wirksam zu schützen. Verbrauchertäuschendes Marketing muss unterbunden und die Verwendung der Bezeichnung „Weidemilch“ und „Heumilch“ gestärkt werden.

Dokumente

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