STATEMENT zur Einführung des LIDL-Haltungskompasses

STATEMENT

Friedrich Ostendorff MdB

Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen

Zur Einführung des Lidl-Haltungskompasses am morgigen Mittwoch, den 03.04.2018, erklärt Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

„Die Diskussion um das Kennzeichnen von Tierwohl auf Lebensmitteln hat endlich Fahrt aufgenommen. Das ist nicht dem untätigen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, sondern dem zivilgesellschaftlichen Druck und auch den privatwirtschaftlichen Initiativen der Lebensmittelindustrie zu verdanken.

Es ist ein Ausdruck von eklatantem Politikversagen, dass Supermarktketten wie Aldi und Lidl eigene Label und Kennzeichnungen auf den Markt bringen müssen, weil eine klare staatliche Kennzeichnung fehlt. Wir fordern Ministerin Klöckner auf, die losen Fäden endlich zusammenzuführen und eine klare, gesetzlich verpflichtende Haltungskennzeichnung mit einer Anhebung der Mindeststandards einzuführen. In einer aktuellen Greenpeace-Umfrage sprechen sich neun von 12 Handelsunternehmen dafür aus – die Verbraucherinnen und Verbraucher mehrheitlich sowieso.

Lidl hat den Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher nach mehr Transparenz und mehr Tierschutz vernommen und gehandelt. Es ist ein richtiger und wichtiger Schritt, dass die Menschen jetzt eine Wahlfreiheit haben und aktiv bessere Haltungsbedingungen für Rinder, Schweine und Hühner unterstützen können. Wir wünschen einen erfolgreichen Start für den Haltungskompass morgen. Bei der Ausgestaltung der zweiten Stufe hätte ich mir mehr Mut gewünscht, um ganz deutlich spürbare Verbesserungen für die Tiere zu gewährleisten. 10 % mehr Platz für Mastschweine bedeutet ein Plus von 0,075 m² pro Tier. Das ist natürlich viel zu wenig. Und da die betäubungslose Ferkelkastration ohnehin Ende dieses Jahres verboten wird, ist auch dieses Kriterium kein Fortschritt. Die Premiumstufe des Labels des Deutschen Tierschutzbundes mit Bio gleichzusetzen, ist aus der Sicht des individuellen Tieres vielleicht nachvollziehbar, vernachlässigt aber die systemischen Vorzüge des biologischen Landbaus wie Pestizidfreiheit, Schutz der Biodiversität und Gentechnikfreiheit.“