Friedrich Ostendorff und Renate Künast zum Gutachten des Ethikrats zur Nutztierhaltung

Zum Gutachten des Ethikrats zur Nutztierhaltung erklären Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik und Renate Künast, Sprecherin für Ernährungspolitik von Bündnis 90/Die Grünen:

Friedrich Ostendorff:

„Der Ethikrat betont eine regelhafte Verletzung des Tierwohls und beklagt zu starke Profitorientierung der Tierhaltung. Die Tierhaltung insgesamt steht jetzt am Scheideweg und muss sich in der Breite verbessern. Die Diskussion dazu wird politisch endlich nach vorne gerichtet geführt. Wenn öffentliche Gelder in Tierhaltung fließen, muss mit der Verwendung dieser Gelder eine deutliche Verbesserung für die Tiere einhergehen. Die Verantwortung hat die Politik in der Vergangenheit gerne an die Konsumenten abgegeben. Doch es ist klare Aufgabe der Politik, Leitplanken für bessere Bedingungen in der Tierhaltung zu setzen.“

Renate Künast:

„Das Leiden der Tiere in der Massentierhaltung ist für unsere Gesellschaft eine moralische Bankrotterklärung. Seit 2003 steht der Schutz der Tiere im Grundgesetz, aber immer noch existieren unhaltbare Zustände in den Ställen, für welche die Tiere quasi den Ställen angepasst werden, statt ihnen ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Massivste Lobbyaktivitäten der alten Agrarpolitik führen zu Verlängerungen von Zuständen, die längst abgeschafft gehören und durch das Tierschutzgesetz nicht mehr erlaubt sind.

Leider wird Alltagskriminalität in der Tierhaltung noch viel zu sehr ignoriert. Ministerin Julia Klöckner legt ihre schützende Hand nur über die Tiernutzer, aber nicht über die Tiere. Die Profiteure dieses Schweinesystems sind aber nicht die Bauern, sondern die Konzerne. Es ist die Fleischindustrie, die möglichst viel und möglichst billiges Fleisch will, um es dann zu exportieren. Der Ethikrat bietet nun wichtige ethische Unterstützung für den dringend notwendigen Umbau der Tierhaltung. Die Transformation muss endlich eingeleitet werden.“