AUS DER PRESSE: Von der Dürrehilfe zur Klimaanpassung in der Landwirtschaft

Von der Dürrehilfe zur Klimaanpassung der Landwirtschaft

Längst wird im politischen Berlin nicht mehr nur über kurzfristige Dürrehilfen gesprochen. Die Diskussion um langfristige Anpassungen der Landwirtschaft an den Klimawandel ist im vollen Gange. Das Bundesumweltministerium holt sich dazu Rat bei landwirtschaftlichen Praktikern.

Anlässlich der aktuellen Dürrefolgen für die Landwirtschaft trifft Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) heute Landwirte, um über mögliche Reaktionen auf den fortschreitenden Klimawandel zu diskutieren. Die Gespräche sollen auch eine Vorbereitung auf den Klimaschutzplan sein, den das BMU im Frühling 2019 vorlegen will, teilte Schulze im Vorfeld mit.

„Dieser Sommer hat neue Temperaturrekorde und ein neues Ausmaß an Trockenheit gebracht. Besonders die Landwirtschaft ist davon betroffen“, sagte Schulze. Sie sprach sich ausdrücklich dafür aus, dass Sofortmaßnahmen für die Landwirtschaft zur Bewältigung der Krise geprüft werden müssten und stellte sich damit hinter das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) und die Linie von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Schulze nutzte die Diskussion um die Trockenheit jedoch auch, um für ihre Position zur Änderung der Agrarförderung zu werben. Diese müsse so umgestaltet werden, dass nachhaltiges Wirtschaften und die Anpassung an den Klimawandel finanziell gefördert werde. „Nur so machen wir landwirtschaftliche Betriebe langfristig krisenfester und erreichen gleichzeitig unsere Ziele im Umwelt-, Natur- und Klimaschutz“, sagte Schulze.

Bei dem Treffen heute will Schulze mit den Landwirten die praktische Umsetzung möglicher Klimaanpassungsmaßnahmen diskutieren und nennt als Beispiele eine standortgerechte Bewirtschaftung, eine größere Kulturvielfalt bei der Pflanzenauswahl, eine vielfältige und weite Fruchtfolge. Erörtert werde auch, inwieweit der Viehbestand an die örtlich verfügbaren Futtergrundlagen angepasst werden müsse, hieß es im BMU. Dies könne aus Sicht des BMU die ökonomische Widerstandskraft der Betriebe gegen Extremwetterlagen verstärken. Wert legt das BMU auch auf weitere Forschung für ökologisch angepasste Sorten, die bei verschiedenen Witterungen besser überstehen. Die klassische und ökologische Pflanzenzüchtung biete hier nach wie vor Potenzial, hieß es.

Allerdings will das BMU die Landwirtschaft auch bei der Treibhausgaseinsparung in die Pflicht nehmen. Der Praktikerdialog gehe auch auf die Klimaziele der Landwirtschaft ein, so das BMU. Die Branche solle bis 2030 Treibhausgase von 31 bis 34 Prozent weniger als 1990 ausstoßen. Die davor vorgesehenen Maßnahmen werde die Bundesregierung im Maßnahmenprogramm zum Klimaschutzplan im Frühjahr 2019 vorlegen, kündigte Schulze an.

Die Forderung nach einer politischen Strategie für langfristige Anpassungen der Landwirtschaft an Dürre und Hitze sowie andere Klimaveränderungen haben auch die Grünen in den vergangenen Wochen immer wieder vorgebracht. „Um unsere Landwirtschaft vor den Folgen der Klimakrise zu schützen, reichen einzelne technische Maßnahmen nicht aus. Klar ist: Wenn wir nicht einen Ernteausfall nach dem anderen kassieren wollen, kann die industrielle Landwirtschaft nicht mehr weiter so wirtschaften wie bisher“, hatte der Grünen Fraktionschef Anton Hofreiter am Mittwoch nach der Vorlage des Zwischenberichts zur Dürre von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gesagt. Hofreiter erwarte von Klöckner nun einen Klimaaktionsplan, der konkret zeige, wie schnell eine klimafreundliche und angepasste Landwirtschaft erreicht werden könne.

Auch der Agrarsprecher der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff, fordert seit Wochen langfristige Konsequenzen aus den diesjährigen Trockenschäden zu ziehen. „Es ist gut und wichtig, dass die diesjährige Dürre auch eine Diskussion über unsere Landwirtschaftspolitik ausgelöst hat. Denn es ist an der Zeit, eine Wende in der Agrarpolitik einzuläuten“, sagte er in dieser Woche. Auch seiner Sicht spricht die aktuelle Lage dafür, die Agrarförderung umzugestalten und kleine und mittlere Betriebe sowie ökologische und nachhaltige Produktionsweisen finanziell besser zu stärken. Ostendorff befürwortete ausdrücklich schnelle unbürokratische Hilfsgelder für geschädigte Landwirte in diesem Jahr, dies müsse aber gemeinsam mit langfristigen Veränderungen bei der Förderung kombiniert werden, sagte er.

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